Zittern bei Werder Bremen, 1860 München und Tausenden von Sportvereinen: Ihrem Sponsor, dem sächsischen Sportwettenanbieter „bwin“, hat das Bundesland Sachsen die Lizenz entzogen.
In einer Pressemitteilung des sächsischen Innenministeriums heißt es dazu: „Das im Freistaat Sachsen zuständige Regierungspräsidium Chemnitz hat heute Unterlassungsverfügung gegen die Unternehmen Betandwin in Neugersdorf und die bwin.com mit Sitz in Wien mit Sofortvollzug unter Androhung von Zwangsgeld erlassen.“
Innenstaatssekretär Jürgen Staupe hob hervor, dass die Entscheidung Sachsens in Abstimmung mit allen anderen Bundesländern erfolgt sei.
Im Klartext: Der Konzern darf in Deutschland keine Geschäfte mehr treiben – und eigentlich auch über das Internet keine Wetten aus Deutschland mehr annehmen. Zwangsläufig wackeln jetzt die Verträge mit Werbepartnern.
So ist „bwin.de“ (früher: betandwin.de) Hauptsponsor bei Vize-Meister Werder Bremen und bei Zweitligist 1860 München. Auch bei Borussia Dortmund engagiert sich das Unternehmen.
Dazu ist es Sponsor von Handball- und Basketball-Bundesligisten sowie Tausenden von Amateur-Klubs. 20 000 der etwa 170 000 Mannschaften innerhalb des DFB werden vom Wettanbieter ausgestattet.
Betandwin hat sich empört über den Entzug seiner Wettlizenz in Sachsen geäußert. „Das ist ein Übergriff der Politik“, sagte Vorstand Manfred Bodner. Zuletzt hatte bwin angekündigt, notfalls mit einer 500-Millionen-Euro-Schadensersatzklage gegen die Entscheidung Sachsens vorzugehen.
Man will jetzt trotz des Verbots über das Internet und auf der Grundlage einer Lizenz aus Gibraltar weiter Wetteinsätze aus Deutschland annehmen.
Betandwin, das sich derzeit in Bwin umbenennt, hatte aus dem sächsischen Neugersdorf mit einer alten DDR-Lizenz operiert. Ein Unternehmen mit 60 Mitarbeitern, das jetzt vom Freistaat Sachsen ausgebremst wurde.
Der einfache Hintergrund: Der staatliche Wettanbieter Oddset soll geschützt werden. Denn hier wird ein Teil der Millionen-Gewinne an den Breitensport weitergereicht.
Quelle: Bild.de
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Kurz vor Beginn der Bundesliga will Sachsen die Aktivitäten des privaten Sportwettenanbieters Bwin unterbinden. Dies bestätigte Lothar Hofner, Sprecher des sächsischen Innenministeriums, bereits am Mittwoch der F.A.Z.. Dabei geht das Ministerium ordnungsrechtlich gegen den deutschen Ableger des mittlerweile von Betandwin in Bwin umbenannten österreichischen Unternehmens vor.
„Betandwin e.K. werden damit im Freistaat Sachsen das Veranstalten und Vermitteln von Sportwetten sowie die Werbung hierfür untersagt“, teilte das sächsische Innenministerium am Donnerstag in Dresden mit. In Sachsen dürfe allein der Freisaat selbst Sportwetten veranstalten oder ausrichten lassen. Für die Untersagungsverfügung gelte der Sofortvollzug unter Androhung von Zwangsgeld. Die Untersagung gilt konkret für die Unternehmen Betandwin in Neugersdorf und Bwin.com Interactive Entertainment AG.
Verbot für ganz Deutschland
Der verordnete Lizenzentzug hat nach Angaben des sächsischen Innenministeriums Wirkung für ganz Deutschland. „Das wäre ein Verbot, das auch in Deutschland insgesamt gilt“, sagte Innenstaatssekretär Jürgen Staupe in Dresden. Eine behördliche Genehmigung bestehe weder in Sachsen noch in einem anderen Bundesländern. Notfalls könnten die Landesmedienanstalten Internet-Angebote des Unternehmens auch mit technischen Mitteln blocken, sagte Staupe weiter.
Der Kursverfall von Bwin setzt sich weiter fort, die Aktie verliert am Donnerstag 7,6 Prozent auf 21,20 Euro und erreicht damit ein neues Jahrestief. Am Mittwoch verzeichnete das Papier Verluste von mehr als 30 Prozent.
„Staatliches Monopol grundsätzlich zulässig“
Sachsen beruft sich bei seinem Schritt auf ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts von Ende März. Darin stellten die Karlsruher Richter zwar fest, daß das staatliche Monopol auf Sportwetten in der derzeitigen Form verfassungswidrig ist, weil der Staat nicht genügend gegen die Spielsucht vorgehe. Jedoch sei ein solches Monopol grundsätzlich zulässig, wenn der staatliche Wettanbieter Oddset seine Werbeaktivitäten aufgebe. Im Juli fand in dem Verfahren eine Anhörung von Bwin statt. Derzeit liefen die sehr umfangreichen juristischen Prüfungen noch, sagte Hofner.
Das Verbot der Tätigkeiten von Bwin ist der größte Schlag der Bundesländer gegen die privaten Wettanbieter, nachdem in den vergangenen Wochen schon eine Vielzahl von Schließungsverfügungen gegen Wettbüros erlassen wurden. Der Sportwettenmarkt in Deutschland erreicht einen Umsatz von 3,6 Milliarden Euro. Das Potential wird von Fachleuten auf bis zu 8 Milliarden Euro geschätzt. Bei dem in Sachsen ansässigen Wettunternehmen handelt es sich um die Bwin e.K. in Neugersdorf, an der die österreichische Bwin 50 Prozent „als atypisch-stiller Gesellschafter“ hält. Die sächsische Bwin ging aus einem Unternehmen hervor, das in der Endphase der DDR eine Konzession für Sportwetten erworben hatte.
Bwin plant Schadenersatzklage
Der börsennotierte Internet-Wettenanbieter Bwin zeigte sich über die drohenden Schritte gegen seinen Beteiligungspartner in Deutschland verärgert. Die vorzeitige Veröffentlichung der Pläne sei ein Bruch der Amtsverschwiegenheit und skandalös, sagte die Sprecherin des Unternehmens. Das drohende Verbot verstoße gegen europäisches Recht. Bwin will alle rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen und plant eine Schadensersatzklage über eine halbe Milliarde Euro. "Der Entzug der Konzession ist ein völlig willkürlicher Eingriff in den Wettbewerb", kritisierte auch Holger Zastrow, der Vorsitzende der FDP-Fraktion im Sächsischen Landtag. Der Innenminister wolle per Gesetz einen privaten Konkurrenten ausschalten, um ein staatliches Monopol zu sichern.
Bwin vermutet, daß die deutsche Seite offensichtlich zwei Wochen vor einem großen "Wettspielgipfel" vollendete Tatsachen schaffen wolle. Der Zeitpunkt des möglichen Entzuges kommt für die Gesellschaft ungünstig: An diesem Wochenende beginnt in Deutschland, wo die Gruppe viele ihrer 10 Millionen Kunden haben dürfte, die Fußball-Bundesliga.
Quelle: FAZ
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